Ratgeber

Chai Latte Rezept: von Hand, mit Sirup oder aus dem Pulver

Ein Chai Latte ist gesüßter Schwarztee mit Gewürzen und warmer, aufgeschäumter Milch. Das klassische Rezept für zwei Tassen: eine halbe Zimtstange, 3 Kardamomkapseln, 3 Nelken, 1 Sternanis, eine Prise Pfeffer und 5 Gramm Ingwer in 200 Millilitern Wasser 5 Minuten köcheln, 4 Gramm Schwarztee 3 Minuten ziehen lassen, abseihen, mit 300 Millilitern warmer Milch auffüllen. Das dauert rund 12 Minuten. Wer die nicht hat, nimmt Sirup oder Pulver, und beides ist legitim. Sirup bringt die Gewürze ohne Tee, ein Chai Latte daraus ist deshalb koffeinfrei. Pulver bringt Zucker und meist Milchpulver gleich mit. Welcher Weg passt, entscheidet sich an Zeit, Zuckermenge und der Frage, ob Koffein drin sein soll. Bei BUNCA. steht er in allen drei Cafés auf der Karte.

Chai Latte mit Milchschaum und Zimt im BUNCA-Becher, daneben die Flasche Chai Latte Sirup

Was im Chai Latte steckt

Vier Dinge: Schwarztee, Gewürze, Milch und etwas Süße. Die Gewürzbasis ist fast überall dieselbe, nämlich Kardamom, Zimt, Nelken, Ingwer und Pfeffer, oft ergänzt um Sternanis. Alles andere ist Geschmackssache und variiert von Haushalt zu Haushalt.

Der Name führt dabei leicht in die Irre. „Chai“ heißt in Hindi schlicht Tee. „Chai Tee“ sagt also zweimal dasselbe, und ein „Chai Latte“ ist wörtlich ein Tee-Milch-Getränk. Das indische Original heißt Masala Chai, Gewürztee, und wird anders zubereitet als die Fassung, die man bei uns im Café bekommt: Dort kochen Gewürze, Tee, Milch und Zucker zusammen in einem Topf auf.

Die westliche Café-Fassung trennt das. Erst entsteht ein kräftiger, gewürzter Teesud, dann kommt aufgeschäumte Milch dazu, genau wie beim Caffè Latte. Daher der Name. Diese Fassung ist jünger, als viele denken: Nachdem eine große US-Kette 1998 ihren Chai Tea Latte eingeführt hatte, verbreitete sich das Getränk in Coffeeshops, und zwar laut der Geschichte des Masala Chai von Anfang an häufig auf Basis von Sirup oder Konzentrat.

Das ist der Punkt, an dem fast alle deutschen Rezeptseiten schweigen. Der Chai Latte ist kein verunglückter Masala Chai, sondern ein eigenes Café-Getränk, das seit seiner Einführung mit Sirup arbeitet. Wer das weiß, kann die Abkürzung nüchtern bewerten, statt sie für einen Betrug am Original zu halten.

Drei Wege zum Chai Latte im Vergleich

Es gibt drei Arten, einen Chai Latte zu machen: aus ganzen Gewürzen, aus Sirup oder aus Fertigpulver. Rezeptseiten zeigen fast immer nur den ersten Weg und tun so, als gäbe es die beiden anderen nicht. Das ist unehrlich, denn gesucht wird nach allen dreien. Hier stehen sie nebeneinander.

WegAufwandSüßeKoffeinGeschmacksgrenze
Ganze Gewürze und loser Teerund 12 Minutendu bestimmst sieja, aus dem Teekeine, das volle Ergebnis
Sirupetwa 1 Minutedosierbar über die Mengenein, kein Teeblatt enthaltenGewürzbild liegt fest
Fertigpulverunter 1 Minutefestgelegtje nach ProduktZucker und Milchanteil liegen fest

Ganze Gewürze sind der Weg mit dem besten Ergebnis und dem größten Aufwand. Du bestimmst jede Zutat selbst, von der Schärfe des Ingwers bis zur Menge Zucker. Der Preis dafür sind zwölf Minuten und ein Topf, der abgespült werden will. Für den Sonntagmorgen ist das perfekt, an einem Dienstag um halb acht eher nicht.

Sirup ist die Abkürzung, die im Café ohnehin benutzt wird. Gewürze und Zucker sind fertig eingekocht, du gibst einen Teelöffel in warme Milch und bist fertig. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Erstens kannst du die Süße über die Menge steuern, anders als beim Pulver. Zweitens enthält Sirup in der Regel keinen Tee, der Chai Latte daraus ist also koffeinfrei. Das ist kein Nachteil, sondern für den Nachmittag oft genau der Punkt.

Fertigpulver ist der schnellste Weg und der mit den meisten Festlegungen. Es enthält neben Gewürzen und Teeextrakt meist auch Zucker, Milchpulver und Fett, du rührst es nur noch mit Wasser oder Milch an. Dabei lohnt ein Blick auf die Zutatenliste. Bei drei im Handel erhältlichen Pulvern liegt der Zuckeranteil zwischen 48 und 62 Gramm je 100 Gramm Pulver, und bei einem davon steht Zucker an erster Stelle der Zutatenliste, während der Schwarzteeextrakt bei zwei Prozent liegt.

Die Reihenfolge einer Zutatenliste ist kein Zufall. Sie muss nach absteigender Menge sortiert sein. Steht Zucker ganz vorne und der Tee weit hinten, dann ist das Getränk in erster Linie süß und erst in zweiter Linie Tee. Das muss niemanden stören, man sollte es nur wissen.

Das Rezept für zwei Tassen

Das ist die Fassung mit ganzen Gewürzen, für zwei Tassen, ohne Spezialgerät. Ganze Gewürze statt gemahlener, weil gemahlene Gewürze trüben und sich nicht abseihen lassen.

  1. Gewürze anstoßen. Eine halbe Zimtstange, drei Kardamomkapseln, drei Nelken, einen Sternanis und eine Prise schwarzen Pfeffer kurz trocken in den Topf geben. Die Kardamomkapseln vorher mit der Messerseite andrücken, damit die Samen frei liegen.
  2. Ingwer dazu. Fünf Gramm frischen Ingwer in dünne Scheiben schneiden, schälen ist nicht nötig.
  3. Köcheln. 200 Milliliter Wasser angießen und fünf Minuten leise köcheln lassen. Traditionell wird beim Masala Chai aufgekocht statt nur aufgegossen, und der Unterschied ist deutlich zu schmecken.
  4. Tee ziehen lassen. Topf vom Herd, vier Gramm losen Schwarztee einrühren, drei Minuten ziehen lassen. Länger macht den Sud bitter. Wer keinen losen Tee hat, nimmt zwei kräftige Teebeutel, am besten Assam.
  5. Süßen. Einen Teelöffel braunen Zucker einrühren, solange der Sud heiß ist. Später löst er sich schlechter.
  6. Abseihen. Durch ein feines Sieb in zwei Tassen gießen. Die Tassen sind damit etwa zur Hälfte voll.
  7. Milch aufgießen. 300 Milliliter Milch auf etwa 60 bis 65 Grad erwärmen, aufschäumen und auffüllen. Wie der Schaum fein statt blasig wird, steht im Ratgeber Milch richtig aufschäumen.

Wer keinen Topf benutzen will: Die French Press funktioniert hier erstaunlich gut. Gewürze und Tee hinein, heißes Wasser darauf, nach der Ziehzeit den Stempel herunterdrücken. Das ersetzt das Sieb und das Köcheln in einem Schritt, kostet aber etwas Intensität, weil nicht gekocht wird.

Koffein im Chai Latte in Zahlen

Ob ein Chai Latte Koffein enthält, hängt allein daran, ob echter Schwarztee drin ist. Mit Tee ja, mit reinem Gewürzsirup nein. Die Frage wird oft gestellt und selten mit Zahlen beantwortet, deshalb hier die Werte, mit denen wir auch in unserem Ratgeber zu Koffein in Kaffee und Tee rechnen. Sie stammen von den Koffeinwerten der EFSA.

GetränkMengeKoffein
Schwarzer Tee220 mletwa 50 mg
Filterkaffee200 mletwa 90 mg
Espresso, doppelt60 mletwa 80 mg
Chai Latte aus Gewürzsirupbeliebigkein Koffein

Ein selbst aufgegossener Chai Latte liegt also grob bei der Hälfte eines Filterkaffees, und weil der Tee im Rezept auf zwei Tassen verteilt wird, bei einer Tasse sogar darunter. Wer den Tee weglässt und nur mit Gewürzsirup arbeitet, bekommt ein Getränk ganz ohne Koffein. Genau darin liegt der praktische Unterschied zwischen den Wegen, und er wird in den meisten Rezepten nicht einmal erwähnt.

Und nein, im Chai Latte ist kein Kaffee. Die Verwirrung kommt vom Wort Latte, das aus der Kaffeekarte stammt und hier nur die aufgeschäumte Milch meint. Die Variante mit Espresso heißt Dirty Chai und ist ein eigenes Getränk.

Die richtige Milch für Chai Latte

Die Milch macht beim Chai Latte mehr aus als bei Kaffee, weil der Gewürzsud dünner ist als ein Espresso und weniger Eigenkörper mitbringt. Was die Milch an Fülle liefert, fehlt sonst im Ergebnis.

Kuhmilch mit 3,5 Prozent Fett ist die unkomplizierteste Wahl. Sie trägt die Gewürze, schäumt zuverlässig und bleibt stabil. Bei Pflanzendrinks lohnt der genaue Blick: Hafer passt geschmacklich am besten zu Zimt und Kardamom, weil er von sich aus leicht süß und getreidig ist, und die Barista-Varianten schäumen gut. Soja trägt ebenfalls, hat aber einen deutlicheren Eigengeschmack. Mandel und Reis sind dünner und gehen beim Chai schneller unter.

Eine Sache geht mit Pflanzendrinks häufiger schief als mit Kuhmilch: Gerät der Gewürzsud zu sauer, etwa durch viel Ingwer, kann die Milch flocken. Dagegen hilft, die Milch getrennt zu erwärmen und erst zum Schluss zuzugießen, statt alles zusammen zu kochen.

Iced Chai Latte und Dirty Chai

Der Chai Latte funktioniert kalt mindestens so gut wie warm, und zwei Varianten werden besonders oft gesucht.

Für den Iced Chai Latte machst du den Gewürzsud wie im Rezept, lässt ihn aber vollständig abkühlen, am besten im Kühlschrank. Dann Glas mit Eis füllen, kalte Milch darauf, Sud langsam dazugießen. Wichtig ist, den Sud kräftiger anzusetzen als für die warme Variante, weil das schmelzende Eis verdünnt. Mit Sirup ist die kalte Fassung ohnehin die einfachere, weil nichts abkühlen muss.

Beim Dirty Chai kommt ein Espresso in den Chai Latte. Das ergibt ein Getränk mit zwei Koffeinquellen, Tee und Kaffee, und einem deutlich kräftigeren Grundton. Dazu kommt ein eigener Ratgeber, der die Dosierung und die Reihenfolge beim Eingießen behandelt. Bis dahin: Wie der Espresso dafür gelingt, steht im Ratgeber Espresso zubereiten.

Was an unserer Theke in der Tasse landet

In den drei BUNCA. Cafés in Frankfurt steht Chai Latte auf der Karte, und wir arbeiten dort mit Sirup. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil im Betrieb eine Eigenschaft über allem steht: Jeder Becher muss gleich schmecken, auch der dreißigste an einem Samstagnachmittag. Ein Gewürzsud, der morgens frisch angesetzt wird, ist um vier Uhr nachmittags ein anderer.

Den BUNCA. Chai Latte Sirup lassen wir deshalb selbst herstellen. Er heißt Spicy Hug, besteht aus Wasser, Rohrzucker und einer Gewürzmischung und ist pflanzlich, glutenfrei und koffeinfrei. Die Dosierung zu Hause ist dieselbe wie bei uns: ein Teelöffel auf 250 Milliliter Milch, aufschäumen, fertig. Es gibt ihn in zwei Größen, und er funktioniert auch im Kaffee, im Tee und im Teig.

Für zu Hause würden wir trotzdem nicht pauschal zum Sirup raten. Wer Zeit und Lust hat, macht den Sud aus ganzen Gewürzen, weil das Ergebnis besser ist und sich genau auf den eigenen Geschmack einstellen lässt. Der Sirup ist die Antwort auf den Dienstagmorgen, nicht auf den Sonntag.

Häufige Fragen

Was beinhaltet ein Chai Latte?

Schwarztee, Gewürze, Milch und etwas Süße. Die klassische Gewürzbasis sind Kardamom, Zimt, Nelken, Ingwer und Pfeffer, oft ergänzt um Sternanis. Je nach Zubereitungsweg kommen die Gewürze aus ganzen Körnern, aus einem Sirup oder aus einer Fertigmischung. Beim Pulver sind neben Gewürzen und Teeextrakt meist auch Zucker, Milchpulver und Fett enthalten.

Hat Chai Latte Koffein?

Das hängt am Weg. Mit echtem Schwarztee ja: Eine Tasse schwarzer Tee mit 220 Millilitern enthält laut EFSA etwa 50 Milligramm Koffein, also ungefähr die Hälfte einer Tasse Filterkaffee mit etwa 90 Milligramm. Mit reinem Gewürzsirup nein, weil darin kein Teeblatt steckt. Unser eigener Chai Latte Sirup ist aus diesem Grund koffeinfrei.

Ist Chai Latte Kaffee?

Nein. Im klassischen Chai Latte ist kein Kaffee, die Grundlage ist Schwarztee mit Gewürzen. Das Wort Latte stammt aus der Kaffeekarte und meint hier nur die aufgeschäumte Milch, so wie beim Caffè Latte. Die Variante mit einem Espresso darin heißt Dirty Chai und ist ein eigenes Getränk.

Was ist der Unterschied zwischen Chai Latte und Masala Chai?

Masala Chai ist das indische Original, bei dem Gewürze, Tee, Milch und Zucker zusammen in einem Topf aufgekocht werden. Der Chai Latte ist die westliche Café-Fassung: Tee und Gewürze werden zu einem kräftigen Sud zubereitet und dann mit aufgeschäumter Milch aufgefüllt, nach dem Muster eines Caffè Latte. „Chai“ heißt auf Hindi übrigens einfach Tee, „Chai Tee“ sagt also zweimal dasselbe.

Wie macht man Chai Latte selber?

Für zwei Tassen: eine halbe Zimtstange, drei angedrückte Kardamomkapseln, drei Nelken, einen Sternanis, eine Prise Pfeffer und fünf Gramm Ingwer in 200 Millilitern Wasser fünf Minuten köcheln. Topf vom Herd, vier Gramm losen Schwarztee drei Minuten ziehen lassen, einen Teelöffel braunen Zucker einrühren, abseihen. Dann 300 Milliliter Milch auf etwa 60 bis 65 Grad erwärmen, aufschäumen und auffüllen. Insgesamt rund zwölf Minuten.

Welcher Weg lohnt sich: Gewürze, Sirup oder Pulver?

Ganze Gewürze geben das beste Ergebnis und kosten rund zwölf Minuten. Sirup braucht etwa eine Minute, lässt die Süße über die Menge dosieren und bleibt ohne Koffein. Pulver ist am schnellsten, legt aber Zucker, Süßungsart und Milchanteil fest, der Zuckeranteil liegt bei gängigen Produkten zwischen 48 und 62 Gramm je 100 Gramm Pulver. Im Café-Alltag fällt die Entscheidung fast immer auf den Sirup, weil jeder Becher gleich schmecken muss. Zu Hause entscheidet die verfügbare Zeit.

Chai Latte zu Hause, ohne Topf und ohne Sieb?

Dann nimm den Sirup, den wir auch in unseren Cafés benutzen. Ein Teelöffel auf 250 Milliliter Milch, aufschäumen, fertig. Er ist pflanzlich, glutenfrei und koffeinfrei und funktioniert auch im Kaffee, im Tee und beim Backen. Wenn du Lust auf das volle Programm hast, steht das Rezept mit ganzen Gewürzen weiter oben.

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